Die Erzählerin

 

»Ich betrete den Raum in diesem Kleid, das Kleid, was dir so gut gefällt. Du sitzt auf dem Bett mit einem Handtuch um deine Leisten, mehr nicht. Ich sehe, dass du dich freust, ich kann deine Erregung durch das Handtuch erkennen. Schritt für Schritt komme ich näher, sehnsuchtsvoll schaust du zu mir nach oben. Mit meinen Knien berühre ich deine. Du zögerst nicht lang, denn die Aussicht auf alles, was gleich passieren wird, ist zu verführerisch. Du streichelst mit der einen Hand an den Innenseiten meiner Waden entlang, mit der anderen stützt du dich auf dem Bett ab. Ich spüre die sanft kreisenden Bewegungen deiner Fingerspitzen um meine Knie, wie sie langsam nach oben wandern zwischen meine Oberschenkel. Du genießt den Anblick meines errötenden Gesichtes, hingebungsvoll und zu allem bereit.

Du schiebst meinen Slip zur Seite und berührst liebevoll meine feuchten Schamlippen. Jetzt kannst du nicht länger warten, du steckst deine Finger ganz unter meinen Slip, dort wo es warm ist, dort wo es feucht ist, dort wo so viel verborgen scheint. Das Gefühl des Textils abwechselnd zu deinen Fingern gefällt mir, es macht mich unglaublich an. Schnell ziehst du mit der einen Hand mein Kleid nach oben und reißt mit der anderen den Slip nach unten. Du steckst zwei deiner Finger tief in mich hinein. Ich stöhne laut, weil es so unerwartet kommt, ich stöhne laut, weil es so lang her ist. Du schaust auf deine Finger, wie sie in mich eindringen. Meine Klitoris vibriert wie ein kleines Herz, sie schreit nach mehr und fängt hastig an zu atmen.«

 

Viele Geschichten hat sie schon inszeniert, viele davon würden nie gehört werden, da sie immer nur für eine Person bestimmt waren. Diese hat sie abgespeichert in ihrem Gedächtnis, in ihren Erinnerungen. Dean braucht diese besonderen Erzählungen. Er braucht sie, um sich in eine Fantasiewelt fallen zu lassen. Er muss nicht berührt werden, nicht in körperlicher Hinsicht, nein vielmehr will er durch eigene Geschichten berührt werden, Geschichten, die nur für ihn bestimmt sind. 

Wann immer er danach sucht, wird die Erzählerin für ihn bereitstehen. Sie würde sich seinen Wünschen beugen. Einst war sie verliebt in Dean, sie liebte die Jugendlichkeit, die in ihm wohnte und scheinbar immerwährend anhält. Er allerdings konnte ihr nicht viel bieten, er war nicht verliebt, er würde sich niemals in sie verlieben. Sie hat es verstanden und dennoch bleibt mit gewissem Abstand eine Art Beziehung bestehen. Er hat nie aufgehört sich bei ihr zu melden. Immer wieder fragt er nach mit der Bitte nach ihren erotischen Geschichten und dass, so scheint es, ist das Einzige, was er ihr dauerhaft bieten kann. Wie banal manch andere Begegnungen dagegen waren, diese ist anders.

Dean ist Komponist, schon immer fühlte sich die Erzählerin zu Gleichgesinnten hingezogen, Vertrauten im kreativen Sinne. Menschen, die sich in ihrer eigenen Welt für Stunden, Tage, Wochen vergraben und erst wieder auftauchen, wenn sie etwas Großes kreiert haben. Sei es ein Musikstück, ein Gedicht oder ein Gemälde. Gleichgesinnte, die sich auf Kleinigkeiten konzentrieren, sich dem Moment ganz ausliefern, sich nackt zur Schau stellen ohne Scheu vor Verachtung oder merkwürdigen Blicken.

Lange blieb ihr die Liebe verwehrt, lange hat sie sich nur auf Dean verlassen. Die meisten haben es sowieso nur auf ihren Körper abgesehen. So identifiziert sie sich allein durch ihre sexuelle Ausstrahlung. Sie ist sich ihrer Sinnlichkeit bewusst, sie weiß sich stilvoll zu bewegen, mit ihrer Aufmerksamkeit, dem unbändigen Willen sich auf ihr Gegenüber einzulassen, genussvoll auszuliefern, ohne nachzudenken.

 

»Erzähl mir was, erzähl mir die Fortsetzung der Geschichte!«, steht in der Nachricht von Dean. Er denkt an sie, er braucht ihre Fantasien, er lechzt nach Zärtlichkeiten genau in diesem Moment. Jedes Mal, wenn sie Dean eine neue Geschichte erzählt, berühren sie sich in ihren Gedanken, und sie bringt ihn dadurch zum Höhepunkt. Welche Macht sie doch besitzt, welche Größe in ihr schwebt, eine Größe, die in diesem Maße nur durch Träumerei bewiesen werden kann.

»Ich ziehe mein Kleid aus, das Kleid, was dir so gut gefällt. Ich stehe nackt vor dir und kreise mit meinen Fingern um meine feuchte Klitoris. Dann stecke ich zwei meiner Finger tief in mich hinein, während ich behutsam dein Gesicht streichle. Ich stöhne leise, weil es so lang her ist, ich stöhne leise, weil es da nicht mehr zu verstehen gibt.

Du schaust nur auf meine Finger, wie sie langsam in mich eindringen. Danach reibe ich den süßen Saft über meine Lippen und küsse dich. Ich sinke zu Boden zwischen deine Beine. Wir schauen uns an, ich ziehe das Handtuch mit einer schnellen Bewegung von deinem Schoß weg. Ich erkenne eine gewisse Freude, ich kann deine Erregung spüren. Abwechselnd zu feuchten Küssen berühre ich deine Beine, deine Hoden, deine Schamhaare und deinen harten Schwanz. Meine Berührungen sind dir nicht unbekannt und auch du hast sie irgendwie vermisst. Ich packe deinen harten Schwanz, reibe ihn in einer Kombination aus langsamen, zarten Streicheleinheiten sowie schnellen und starken Vibrationen. Du stöhnst, deine Lenden winden sich dabei vor Lust. Deine Eichel pulsiert wie ein kleines Herz, schreit nach mehr und fängt hastig an zu atmen.«